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Reiseblog "Unserem Verhalten auf der Spur!"

  • Autorenbild: Brain Buster
    Brain Buster
  • 17. Dez. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Teil 11: Dorffest in Stoneage City


Es ist dunkler geworden und es brennt ein wärmendes Lagerfeuer. Die Sippe hat sich um das Feuer versammelt und Ugo Ugo steht als einziger. Er fuchtelt wild mit den Händen. Er scheint Szenen nachzustellen, die er mit mir erlebt hat. Er erzählt und erzählt. Wie ein Wasserfall purzeln die Sätze aus ihm heraus. «Ugoo Uugooo», «Ugo UUGGGOOO!» sagt er immer wieder. Einmal scheine ich die Szene mit dem Säbelzahntiger zu erkennen, die Gruppe schaut mich an, dann wieder Ugo Ugo. Kurz darauf erzählt er von meinem Sturz vom Grat. Alle lachen. Jetzt fehlt eigentlich nur noch eine Tüte Popcorn!



Kaum habe ich an Popcorn gedacht, erscheint eine Frau mit einem grossen Bottich. «Ahh, jetzt tun sie eine Suppe kochen», denke ich und mein Magen knurrt schlagartig, konditioniert wie der Pavlovsche Köter. Endlich mal wieder was Gekochtes essen. Steinzeit-Suppe. Was da wohl drin sein mag? Komischerweise kommt der Bottich nicht aufs Feuer. Da kommt mir in den Sinn, dass Bottiche damals ja gar nicht aus Eisen gemacht waren, da die Eisen-Zeit ja viel später dran war. Der Bottich hier liess sich gar nicht übers Feuer hängen. Also schon, aber der wäre innert Kürze selber verbrannt. Nun, dann halt keine Suppe.

Ich rieche am Bottich und winke ab. Der Geruch brennt mir alle Nasenhaare weg. Bissig, scharf und leicht faulig riecht das Gebräu. Ich habe Würgereiz und lieber weiterhin Hunger als davon zu probieren. Während ich mich hintersinne, was das wohl sein könnte, von Zaubertrank, über Wochenrückblick, bis zu halluzinogenen Pilzen war alles dabei, wird es mir ur(zeitlich)plötzlich sonnenklar!


 

Es müssen vergorene Früchte sein! Eingelegt standen die wohl seit Tagen an der Sonne und gärten (klein geschrieben) vor sich hin. Reden konnten die Neandertaler kaum – aber saufen!!! Holla die Waldfee. Bald schon liegen, tanzen, lachen und torkeln sie ums Lagerfeuer und bevor es noch brenzlig wird, verziehe ich mich in die Gäste-Höhle für Zukunftsreisende. Also eigentlich war es eine verlassene Höhle, die komisch roch aber wegen den abgebrannten Nasenhaaren war mir das nicht so aufgefallen. Am Morgen stellte sich die Höhle eher «Abort-» und weniger als «Apart»-Hotelzimmer heraus.

Egal! Ich schlafe zum ersten Mal seit Tagen mal wieder in einem Raum. Kein Geheule, Gegrunze und Gekeuche von wilden Tieren und eine Sippe, welche Stoneage City bewacht. Zumindest hoffe ich, dass noch ein paar nüchtern geblieben sind, um ordnungsgemäss Wache zu schieben.


Ich wandere durch die Steppe, wo ich schon bald wieder an der Stelle sein werde, an der alles begonnen hat. Da steht aber leider nicht einfach der DeLorean, so wie ich ihn verlassen habe, sondern es steht die wahrhaftige Martullo davor und ruf mir zu: «What do you do when de DeLorean breaks down? Hä Mr. Brain Buster?!» OMG! Ich zucke zusammen. Wie ein Blitz durchfährt es mich. Mammuts haben meinen DeLorean zertrampelt, Martullo ist hier und ich habe keine Antwort auf ihr eindringliches Fragen. Ihr Blick durchdringt die heisse Steppenluft und trifft mich mit einem schmerzhaften Stich mitten in den präfrontalen Kortex. In diesem Moment erwache ich. Alles nur ein böser Traum. Nochmals Glück gehabt.



Aber einfach so werde ich den Traum nicht los! Was ist, wenn die Martullo Recht hat und mein DeLorean plattgelatscht ist, geschmolzen an der Sonne oder einfach nicht mehr anspringt? «What do you do when the DeLorean breaks down?» Auf diese Frage habe ich auch in wachem Zustand keine Antwort. Auch Martullos «Seven Thinking Steps» helfen nicht weiter. Ich verspüre den Drang langsam wieder aufzubrechen und mich auf die Socken zu machen, zurück zum DeLorean und zurück in die Zukunft! Ich sehe mich schon, wie ich zurück bin, in der Zukunft. Die Reifen rauchen noch, die Strasse brennt und ich steige wie Marty McFly auf mein Skateboard und rausche davon.


 

Aber zuerst muss ich es erst wieder nach Hause schaffen! Ich verabschiede mich bei den Bewohnern von Stoneage City, also bei denjenigen die schon wach und wieder einigermassen bei klarem Verstand sind. Ich erkläre Ugo Ugo, dass ich wieder gehen müsse. Er scheint zu begreifen, dass meine Zeit bei ihnen abgelaufen ist und begleitet mich zurück übers Plateau und die Felsgrate hinunter in die Steppe. Denn «Riesenbaby» würde das alleine wohl nicht schaffen. Ich blicke zurück zum Felsen mit den Höhlen. Brenne mir das Bild in meine Erinnerungen ein.



Am Fusse der Felsen angekommen wird mir eines klar. Ich sehe diese Steppe, die Weite und Ferne dieser verdammten Steppe. Dieses «Steinzeit-Death-Valley». Ich erinnere mich an die Hitze, den Wolf der langsam abgeheilt war, den Säbelzahntiger und die schlaflose Nacht allein, umgeben von wilden Tieren. Nur diesmal wäre ich ohne Victorinox bewaffnet. NEIN! Nicht noch einmal latsche ich 3 Tage durch diese gottjämmerliche Einöde, die so riesig ist, dass sie Zweiöde heissen müsste. Ich bestelle mir kurzerhand ein Uber. Drauf gesch…!


 

 

Nein ich weine nicht! Das sieht nur so aus! Das war nur der Staub in meinen Augen, aufgewirbelt durch die heranfahrende Limo. Ehrlich. Schwör. Aber ein wenig traurig war es schon. Auch Ugo Ugo wirkt bedrückt. Bedrückt haben wir uns gedrückt und ich husche in die Limo. Ich hoffe die hat neben dem Anzug für eine standesgemässe Ankunft in Bern auch kühle Getränke parat. Feuchttücher für eine oberflächliche Körperreinigung wären auch nett und eine neue oder einfach nur andere - Unterhose!!! Meinetwegen auch die vom Fahrer.


Wir sind stundenlange unterwegs. Geredet haben wir nicht. Ich und der Uber-Fahrer. Der hatte die Trennscheibe die ganze Zeit oben und schien ziemlich «pissed» zu sein. Vermutlich dachte er, er mache das Geschäft seines Lebens, als er meine Buchungsanfrage annahm. Und hat dabei ganz übersehen, dass sein Gast 45'000 Jahre entfernt war. «Tja, wer lesen kann ist klar im Vorteil», denke ich und geniesse die Fahrt. Ich kann gar nicht glauben, dass ich das alles selber gelatscht bin. Mein Wolf heult «Ja, das bist du wirklich».


Es ist schon am Eindunkeln, als wir vor dem DeLorean ankommen. Der Fahrer lässt mich aussteigen und rauscht wortlos davon. Ich sehe ihm nach. Bis er und seine Staubwolke verschwunden sind. Es gibt keine Flammen am Boden, keine Blitze und keinen Knall wie mit dem DeLorean. Er scheint auf dem ordinären Weg nach Hause zu fahren. Arme Sau. Ob wohl sein Sprit reicht und er es aufs Abendessen mit Uber-Fahrerschatzi schafft? Das wird ein Rätsel bleiben. 


Ich checke sofort den DeLorean und prüfe ob wirklich keine Mammuts drüber gelatscht sind. Ich befreie ihn vom Tarnnetz, welches zu meiner Verwunderung sehr gute Dienste geleistet hat. Der Wagen ist unversehrt, dank der hervorragenden Tarnung. Ich bin beruhigt. Fürs erste. Und müde.

 


Ich mache Feuer und setze mich auf einen Stein. Ich will Ugo Ugo noch rasch ein Geschenk bestellen. Auf «WiSHEINbaba» werde ich fündig und bestelle. Nur kurze Zeit später liege ich, hoffentlich zum letzten Mal, im Sand und schaue in die Sterne.


Morgen, gleich bei Sonnenaufgang, werde ich losfahren. So mein Plan. Und ich bitte Martullo, mir diese Nacht nicht wieder in meinen Träumen zu erscheinen. Das wäre nett.


Wenn ihr wissen wollt, ob ich es am nächsten Morgen zurück in die Zukunft geschafft habe. Weiterlesen! Stay tuned.

Euer Marty McBRAIN BUSTER





 
 
 

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