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Reiseblog "Unserem Verhalten auf der Spur!"

  • Autorenbild: Brain Buster
    Brain Buster
  • 18. Dez. 2025
  • 6 Min. Lesezeit

Teil 12: BACK TO/IN THE FUTURE


Von den ersten Sonnenstrahlen geweckt jucke ich auf. Heute geht’s nach Hause! Es ist an der Zeit den DeLorean startklar zu machen und den Fluxkompensator hochzufahren. Nur noch rasch die Karte konsultieren, Koordinaten ablesen und die Zeitmaschine programmieren. Ein letzter Schluck aus meiner Feldflasche. Ein letzter Schluck Wasser, dass zwar nicht ganz sauber, aber dafür komplett frei von Hormonen, Antibiotika und Nanopartikel ist. Ein Genuss. Zumindest der Gedanke, zivilisationsunbelastetes Wasser zu trinken. Ich versuche mir den Geschmack einzuprägen und bilde mir ein, dass sich mein Körper in den letzten Wochen in der Steinzeit von all den Giftstoffen wenigstens ein wenig befreien konnte.



Im Uber hatte es natürlich keine Feuchttücher, um französisch zu duschen. Also steige ich halt verschwitzt in meinen Anzug. Es zwickt, juckt und fühlt sich beengend an. Ob das daherkommt, dass ich dreckig bin, oder mir diese Art Kleider zu tragen, nach zwei Wochen in Kaki-Shorts und T-Shirt auch sonst schwerfallen würde, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Aber in meinem Steinzeit Outfit zu reisen kam für mich nicht in Frage. Also drauf gesch…!



Und so setze ich mich in meine Zeitmaschine. Parat für einen wilden Ritt zurück durch die Wurmlöcher unserer Galaxie. Zurück in die Zukunft. Zurück zu dem ganzen Lärm der heutigen Welt. Zu Fertiglasagnen, zu überteuertem Mineralwasser in Plastikflaschen aus Fiji, zu Feuchttüchern, zu Fastfood-Ketten und Pandora-Armringen, zu Designer-Büroklammern von Prada für CHF 100/Stk., zu Avocadokern-Entfernern und zu diesen verdammten Kaffeekapseln aus Aluminium. Wie bescheuert sind wir eigentlich in den letzten 45'000 Jahren geworden?


Ich stelle mir vor Marty McFly sitzt neben mir und grinst mich verschmitzt an. Er drückt auf den «Start-Button». Der Wagen scharrt im Sand, gefühlt eine halbe Minute lang, dann findet er Grip und rauscht los. Der Fluxkompensator pfeift und surrt, es blitzt und donnert und durch einen schmalen Spalt meiner Augenlider erkenne ich das Wurmloch, durch welches ich gleich fliegen werde. Ein Höllenritt. Meine Hände krallen sich ins Lenkrad, der Illusion verfallen, ich können ab jetzt noch irgendetwas zum Verlauf der Reise beitragen.



Mein Herz rast. Ich traue mich kaum hinzuschauen und weiss, dass ich den Moment der Landung in Bern nicht verpassen darf. Dort gilt es zu bremsen, blitzartig zu bremsen, sobald ich auf der Strasse bin. Ich will ja nicht den Flug durch die Galaxie überstehen und dann in Bern in den Zytgloggenturm krachen. Denn Airbag und Gurt sucht man in der Höllenmaschine vergebens.


Der Wagen kommt hart auf und sofort steige ich in die Eisen. Die Reifen quietschen eine Arie in D-Moll in den Asphalt. Der DeLorean benötigt bestimmt 200m bis er zum Stillstand kommt. Kein Aufprall. Der Zytgloggenturm schaut mich zufrieden an. Keine Kratzer, weder am DeLorean noch am Turm. Ich bin erleichtert, die Stadtpräsidentin von Bern ist erleichtert und auch Ruedi, der stolze Besitzer des DeLorean. Ich öffne lässig die beiden Flügeltüren. Weniger um cool auszusehen, sondern vielmehr um frische Luft ins Auto zu lassen. Der Geruch im Wagen ist eine Angstschweiss-Zwei-Wochen-Wüste-ohne-Dusche-Mischung, die ich selber kaum ertrage.



Erst jetzt bemerke ich, dass die Strasse gesäumt ist von hunderten von Menschen. Sie werfen mir Blumen zu, jubeln und schreien in heller Aufregung. Während meiner Zeit bei den Neandertalern war mir nicht klar, was sich hier in der Zwischenzeit abgespielt hat seit meiner Abfahrt vor über zwei Wochen. Die umgeleiteten asiatischen Reisegruppen, ihr erinnert euch, damit ich Platz hatte für den Start, haben von der Aktion erfahren und Ihre Freunde zu Hause über die Sensation informiert und andere haben meinen Abflug gefilmt. Tags darauf erschien Bern in allen Newsmeldungen über den ganzen Globus verteilt. Extrazüge und -flüge wurden eingerichtet, um die ganzen neuen Touristen aus der ganzen Welt nach Bern zu bringen. Der Zytgloggenturm sei angeblich nun bekannter als das Weisse Haus und die Cheops Pyramide zusammen.


Scheinbar hat der Andrang neuer Touristenströme Bern in kürzester Zeit so reich gemacht, dass die Stapi von Bern, Marieke Kruit, die Steuern senken konnte und Donald Trump hat entschieden, die Strafzölle für die Schweiz fallenzulassen. Denn er will im grossen Stil Toblerone, Berner Plüschbären, Mini-Zytgloggentürme und Pierre Neuville Uhren im Weissen Haus verkaufen, damit das Weisse Hause wieder «The Greatest Attraction Again!» wird.


Aber das alles sollte ich erst im Nachhinein erfahren. Umso erstaunter bin ich über den ganzen Trubel und den festlichen Empfang in Bern.


Die Stapi überreicht mir einen grossen Blumenstrauss, lässt einen Magnumflasche Champagner knallen und erklärt mich zum Ehrenbürger von Bern. Ich fühle mich wie Niki Lauda bei seinem 23. GP-Sieg in Spa. Ja, ein Spa wäre jetzt genau das richtige. Aber stattdessen bin ich jetzt champagnergeduscht. Und ob das in meinem Zustand dienlich ist, bezweifle ich. Egal!



Was für ein Nachmittag in Bern! Nachdem die Stapi wieder gehen musste, um weitere Radwege in Bern zu bewilligen, wollte gefühlt die halbe Stadt zu einer Selfie- und Autogrammstunde mit dem BRAIN BUSTER. Es wurde ein ganzer Autogramm-Nachmittag draus. Geduldig habe ich Selfies gemacht, bis ich fast blitzlichtblind war, Autogramme gegeben bis ich eine Sehnenscheidenentzündung hatte und Fragen von Reportern beantwortet, bis mein Mund so trocken war, wie noch gestern in der Steppe.

Aber irgendwann kann auch der BRAIN BUSTER nicht mehr! Ich brauche eine Pause und einen Plan, wie ich wieder aus dieser Menschenmenge komme, denn laufend kommen neue Zaumgäste dazu. Ich zücke mein Smartphone und rufe einen guten Freund an. Die Besucher der Show des BRAIN BUSTERS kennen ihn.



Da war er endlich. Einer der Helden meiner Jugend! Neben Indiana Jones, Marty McFly, und Pamela Anderson natürlich. Bruce Willis! Wahrhaftig und in Fleisch und Blut. Er reicht mir die Hand, um mich aus der Menge zu ziehen, mich nach Hause zu fliegen und dort heil abzusetzen.


Ich hatte es geschafft. Die Steinzeit überlebt, den Flug durch Wurmlöcher, Angriffe von wilden Tieren, Beinaheabstürz und einen 3-Tages-Marsch mit einem Wolf (zwischen den Beinen) durch die Steppe. Ich war zu Hause. Endlich. Ich gehe DUSCHEN! Kärchern wäre wohl besser gewesen. Der Dreck war mittlerweile «versteinert» nach über 2 Wochen Steppe und dem 45'000-Jahre-Flug. Das war wohl die längste Dusche meines Lebens. Ich falle ins Bett. Mein letzter Gedanke gilt Ugo Ugo. Ich frage mich, ob mein Geschenk bereits angekommen ist, ob er es in Betrieb nehmen konnte und ob er was gscheit's damit anstellen würde. Ich hoffe nicht, dass er dann nur noch vor der Glotze sitzt, das Jagen vernachlässigt, nur noch Junk Food bestellt und Baywatch in Endlosschlaufe schaut... Nicht, dass sich am Ende noch herausstellt, dass mein Fernseher das Ende der Neandertaler eingeläutet hat.



Ich schlafe ein. Wie ein haarloses Riesenbaby. Plötzlich schreit jemand mich an! «You’r a DREAMER!!!! Die wahrhaftige Martullo steht an meinem Bett und ihr Blick sticht mir Löcher in die Netzhaut. Ich erwache schweissgebadet. Again! F**k, schon wieder so ein Traum! Hört das irgendwann wieder auf mit der? Ich gehe ins Bad, wasche mir im Lavabo den Schock vom Gesicht.



Ich setze mich zurück auf mein Bett. Will schauen wieviel Uhr es ist. Meine Pierre Neuville an meinem Handgelenk ist weg! Auch der Dreck unter meinen Nägeln, den ich beim Duschen nicht weggebracht habe, ist verschwunden!  Der schwarze Anzug, den ich einfach hingeworfen hatte gestern ebenfalls nicht auffindbar. Dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen!


Ich habe das ALLES nur…GETRÄUMMMTTTT! Die Martullo sollte am Ende doch Recht behalten. Alles nur geräumt! Der DeLorean, die Steppe und der Wolf, Ugo Ugo, Stoneage City, die kalte Cola und die Steinzeit-Früchte-Bowle! Einfach ALLES! Alles nur geträumt! 


«Logisch!», durchfährt es mich, «Das konnte ja alles gar nicht sein». Die letzte Schläfrigkeit entweicht und ich sehe immer klarer, dass diese verfluchte Reise nur ein einziger riesengrosser Traum war. Aber das heisst, das würde ja bedeuten, dass hat zur Folge, daraus schliesse ich, dass, ich meine, es heisst…ich ja auch KEINE Product-Placement-Verträge, KEINEN mega PR-Deal mit Samsung, die ein Handy aus der Steinzeit bergen können und damit auch KEINE Millionen!!!!! Ich checke meinen Bankkontostand. Mein Herz rast schon wieder wie blöd. Guthaben CHF 1'334.65. Exakt gleich viel, wie beim letzten Mal, als ich geschaute habe. Abzüglich der verdammten Kontospesen per Ende November natürlich.


Es ist also wahr. Wahr, dass nichts von alledem wahr war und alles nur ein Traum war. «OMG, jetzt muss ich wieder arbeiten gehen»! Wieder! Und wieder! Und KEIN «dem Steueramt zuprosten von der Yacht aus wie The Wulf of Wallstreet, KEINE Privatjets nach Vegas, KEINE Margot Robbie an meiner Seite, KEINE Patek Philippe. Nicht mal eine Pierre Neuville! Nicht mal einen Gutschein Code mit 20% Rabatt auf eine solchige? NICHTS!


Ich schlurfe in die Küche. Das schlurfigste "in-die-Küche-Schlurfen", das man sich vorstellen kann. Ich brauche jetzt im Minimum einen Liter Kaffee. Werde gleich 20 dieser Alukapseln durchrösten. Am besten auch gleich noch eine Flasche «Güggs» rein! Am besten gleich danach wieder ins Bett!


Ich stehe so neben der Maschine, die unter Knarren, Zischen und Knarzen mühselig langsam den Kaffee aus der Kapsel presst, da fällt mein Blick auf ein Buch auf der Anrichte. «Reiseblog in die Steinzeit» steht in grossen Lettern auf dem Buch. Darin finde ich meine handschriftlichen Notizen…



THE END


Euer BRAIN BUSTER


P.S. Wer noch mehr Anekdoten und Verhaltensweisen aus der Zeit unserer Vorfahren kennenlernen möchte und erfahren will, was diese mit unserem heutigen Leben zu tun haben, sollte die SHOW des BRAIN BUSTERS nicht verpassen. Tickets gibt es gleich HIER





 
 
 

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