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Reiseblog "Unserem Verhalten auf der Spur!"

  • Autorenbild: Brain Buster
    Brain Buster
  • 15. Dez. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Teil 10: Welcome to Stoneage City!


Als wir in «Stoneage City» ankommen ist die Stadt so leer wie Zürich während dem Lockdown. «Wo sind alle anderen?» frage ich ihn. Er sagt, wie könnte es anders sein, «Ugo Ugo». Mittlerweile verstehe ich schon ein wenig mehr und erahne den Sinn schon besser. «Die sind selber sammeln und jagen gegangen», reime ich mir zusammen.



Ich denke mir, ich mache ihm einen Gefallen und helfe ein wenig aufzuräumen. Ich beginne die Haufen zu erleichtern und will einen Knochen, der in meinen Augen komplett nutzlos da rumliegt, entsorgen. Ugo Ugo findet das gar nicht lustig und krallt sich am Knochen fest. «Ugo Ugo» ruft er, «Aus dem Knochen will ich was machen, den brauche ich noch!» wehrt er sich. Ha! Da ist er, sog. der «Besitztums-Effekt»: Unsere Verhaltensweise Dinge in unserem Besitz zu überschätzen und ist einer der Gründe, weshalb wir noch Häuser mit Kellern bauen – Um den ganzen Ramsch zu verstauen, den wir zwar nicht mehr brauchen, uns aber auch nicht davon trennen können. Auch dieses Verhalten haben wir von «Ugo Ugo» übernommen, nur im Unterschied, dass für ihn wirklich auch alles hart ersammelt und erlegt werden musste.



Also lassen wir das besser mit dem Aufräumen. Stattdessen zeigt er mir seine Wandbilder, die er, so behauptet er zumindest, selber gemalt hat. Ich zweifle. Irgendwie kommen mir die Bilder bekannt vor und ich denke, wenn überhaupt selbst gemalt, dann hat er das irgendwo abgezeichnet. Aber weil ich bei meinem letzten Besuch im Louvre wie alle Touris nur Augen hatte für die Mona Lisa hatte, ist meine Kunst-Expertise nicht ausreichend, um genaueres zu elaborieren. Hätte ich doch im Kunstunterricht am Gymnasium besser aufgepasst. Ich stehe also in Gedanken versunken vor der impressionistisch anmutenden Wandmalerei und stelle mir vor ich bin ein Museumsbesucher im Louvre. Ich trage wieder mal anständige Kleidung, stinke nicht vor mich hin und trage dabei meine neue Pierre Neuville-Uhr. Aber an welchen Maler mich dieses Bild erinnert, kommt mir trotzdem nicht in den Sinn.



Ich erwache aus meinen Tagträumen. Ugo Ugo zeigt er mir nun seinen «Wachposten» und zieht dabei extra sein Pyjama, resp. seine Aufpasser-Uniform, an. «So, stehe ich, wenn ich Nachtschicht schiebe, die ganze Nacht da und bewache die Sippe, damit diese in Ruhe schlafen kann», sagt er in seinen unmissverständlichen Worten. «Ugo Ugo!»



Da haben wir es wieder: Arbeitsteilung, Kooperation und Mithilfe. Im Gegensatz zu heute, wo jeder denkt «Ich brauche niemanden», ging es damals nicht ohne, dass alle aufeinander aufpassten. Und scheinbar war die Aufgabe nicht einfach eine Pflicht, sondern hat die Menschen mit Stolz erfüllt. Wie weit sind wir heute davon entfernt? 

Plötzlich vernehmen wir Laute von draussen! Es klingt, ihr werdet es kaum glauben, alles genau so: «Ugo Ugo», «Ugo Ugo», «Ugo, Ugo». Nur die Stimmlage variiert. Sind das etwa Frauen? Neandertalerfrauen? Aufregung steigt in mir hoch. Würde ich jetzt zum ersten Mal auf echte, wahrhaftige Neandertalerfrauen treffen? Ist wohl Ugo Ugo’s Steinzeitschatzi auch dabei? Hat sie einen Faustkeil parat, sollte Ugo Ugo nichts erlegt haben? Also gehen wir nach draussen.



Tatsächlich hat sich die Sippe bereits vor der Höhle versammelt. Vermutlich haben auch die den Fremdling gerochen. Diesen rieche sogar ich mit meinem zivilisationsverdorbenen Riechkolben. Ugo Ugo nimmt mich bei der Hand und streckt den Arm in die Höhe. Etwa so wie der Ringrichter beim Boxen den Sieger verkündet. Ob er damit sagen will, dass wir Freunde sind, oder eher, «schaut mal, was ich gefunden habe», entzieht sich meiner Kenntnis. Er scheint sich schon ein wenig «abzushowen» mit mir an der Hand. Jedenfalls scheinen die anderen der Sippe, dies eine gute Sache zu finden und fangen an mich zu beschnuppern (das würde ich lassen) und mich anzutippen. Die Frauen grinsen, kichern und schauen sich dabei an. Mich schauen sie ein wenig mitleidig an. Ich glaube herauszuhören, dass eine der Frauen sagt: «Schau mal das unbehaarte Riesenbaby an!». In der Tat muss ich für sie in etwa so aussehen, so ganz ohne Körperhaare und kaum Muskeln. Und wenn sie wüssten, wie ich mich angestellt habe seit ich hier bin, dann kann ich dem Vergleich durchaus etwas abgewinnen.



Als ob mich Ugo Ugo aus dieser unangenehmen Situation befreien wollte, sieht er sein Stück Fleisch aus dem Ärmel. Eine wilde Rangelei geht los. Jede/r will ein Stück vom Fleisch. Das Zerteilen des Fleisches ist eher ein Gereisse. Dabei fällt auch ein Stück zu Boden, nach welchem alle versuchen zu greifen.



Die Rangelei ist rasch vorbei, denn jeder der ein Stück ergattern konnte, stopft es sich gleich in den Mund. So wurde vermutlich das «Dry aged saber-toothed Tiger-Carpaccio» erfunden!

Bald darauf gehen alle zurück zu ihren 1-Zimmerwohnungen und ich beobachte aus Distanz das Treiben aufmerksam und mache mir Notizen in mein Tagebuch. Die einen zimmern sich Werkzeuge, also Faustkeile, was anderes hatten sie ja nicht. Wiederum andere spielen mit Kieselsteinen. «Ich kenne das Spiel», denke ich mir. Je nach Region heisst es Mauern, Murkeln oder Pitching Pennies. Gewinnen tut der, dessen Steinchen am nächsten zum Felsen liegen bleibt. War ich gerade beim Erfinden dieses Spiels Zeitzeuge geworden? Andere wischen den Vorplatz ihrer Höhle und wiederum andere machen Kleidung aus Fellen und Handtaschen aus Mammutohren. Ein reges Treiben, während sich die Sonne langsam senkt.



In meinem Buch halte ich fest:

-  Wenns ums Essen geht hört der Spass auf. Vorallem wenn klar wird, dass es nicht für alle reicht – Scarcity oder Verknappung nennen wir heute dieses Verhaltensmuster. Wird etwas vermeintlich knapp steigt unsere Motivation es haben zu wollen und wir sind bereit mehr dafür zu bezahlen.

-  Spielen war ein zentrales Element des Zusammenseins. Wettbewerb war weder eine Erfindung der Griechen (lat. citius – altius – fortius; deutsch: schneller – höher – stärker) noch der Amis (bigger – better – fatter).

Ich bin gespannt auf den Abend und frage mich, ob sie tanzen und Musik machen und dazu das Lied «Ugo Ugo» singen werden. Was der Abend bringen wird, erzähle ich euch beim nächsten Mal.

Also bleibt dran.

Euer BRAIN BUSTER



 
 
 

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