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Reiseblog "Unserem Verhalten auf der Spur!"

  • Autorenbild: Brain Buster
    Brain Buster
  • 12. Dez. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Teil 8: Das grosse Fressen!


Ihr erinnert euch. Ugo Ugo dieser Sack, hat mich als Köder benutzt, um den Säbelzahntiger auszutricksen und zu überwältigen. Während das noch ziemlich lange an meinem Ego nagt, nagt Ugo Ugo bereits ziemlich lange an seiner Beute.



Mein Entsetzen über seine Art «Kooperation und Zusammenarbeit» umzusetzen, interessiert Ugo Ugo wenig. Sein Plan hat funktioniert und noch während das Tier seinen letzten Atemzug macht, schneidet Ugo Ugo es auf. Das noch warme Fleisch wird zu Faustgrossen Stücken geschnitten und gleich vor Ort – roh –, verspeisen.

Ich weiss nicht recht, ob mir dieser Anblick den Magen dreht oder der Schock sich setzt und mir deshalb speiübel wird. An Essen ist nicht zu denken! Mein Blick wandert meinen Körper entlang. Ich suche nach Wunden oder fehlenden Gliedmassen, denn aus Kriegsreportagen wusste ich, dass viele Verwundete erst merken, dass ein Bein fehlt, wenn sie weiterlaufen wollen. Alles dran, alles heil. Geil! Der Indiana Jones ist zurück und ich klopfe mir selber auf die Schultern.

Ich habe noch immer das verdammte Victorinox in der Hand. Dieses Scheissding ist auch wirklich für nichts! Komplett steinzeit-inkompatibel. Ich bin wütend und da sie mir den Product-Placement-Betrag bereits überwiesen haben, werfe ich das Ding so weit weg wie es geht. Dass ich mit denen auch eine ebensolche PR-Aktion wie mit Samsung machen könnte, hatte ich in diesem Moment vergessen. Genauso vergessen hatte ich, dass ich mir damit noch ein Stück Fleisch rausschneiden wollte. Also reisse ich von Hand ein grosses Stück raus und nehme mir vor, wenn mein Magen sich stabilisiert hat und ein Feuer brennt, mir ein riesen Bistecca Säbelzahntigeria zu braten.



Mit dem Faustkeil von Ugo Ugo will ich mir ein schönes Steak zurechtschneiden. Das Resultat seht ihr hier. Währenddem Ugo Ugo scheinbar sämtliche Probleme mit dem Faustkeil lösen kann, bin ich nicht mal im Stande damit Fleisch zu zerteilen. Ich gebe auf und entscheide, das Stück so wie es ist zu braten. Drauf gesch…!


Als ich beim nächsten Mal rüber schaue zu Ugo Ugo ist das Tier verschwunden. Also zumindest das, was man davon essen kann. Hatte doch mein Freund tatsächlich das ganze Tier verspiesen. Mit aufgeblähtem Bauch und einem Lächeln im Gesicht hat sich Ugo Ugo gleich an Ort und Stelle hingelegt und ist eingepennt. Ob er sich wohl ein Stück Fleisch zur Seite gelegt hat für sein Steinzeitschatzi?



Da Ugo Ugo nicht so aussieht, als würde er in den nächsten wieder Stunden aufwachen und ich in der Schlucht ein paar Holzstücke entdeckt habe, entschliesse ich mich selber Feuer zu machen. Hat ja auch schon in der ersten Nacht ganz gut funktioniert. Und so sitze ich schon bald darauf da, an meinem Feuer, mit meinem Stück Säbelzahntiger.



Indiana Jones schaut mir über die Schultern und nickt zustimmend. Da das Stück Fleisch bestimmt 2 Kilo wiegt, dauert das Braten länger als mir lieb ist. Es ist schon dunkle Nacht, bis mein Steak Garstufe «rare» erreicht hat. Was gäbe ich jetzt für eine gute Flasche Ribera Del Duero, ich wäre ausnahmsweise schon mit einer Magnum Flasche AALTO* zufrieden. Bevor mir wieder Martullo erscheint, nehme ich einen Schluck aus meiner Wasserflasche. Hab sie gleich noch abgefangen, die Maggie. Dann beisse ich in das Steak. Kaum zu glauben, das Fleisch ist…viel…nun wie soll ich sagen…zäher als erhofft. Egal, ich habe ja als guten Kontrast auch keinen guten Wein dazu! Immerhin schmeckt es lecker. Aber vermutlich ist das zu einem grossen Teil nur meinem Hunger geschuldet. Wer mag schon Katzenfleisch?!


*Danke für euer Product-Placement: Ohne euch wäre dieser Reise ... blablabla. Aber im Ernst: Jetzt hätte ich lieber eine Flasche von euch als euer Geld.



Kaum war das Bistecca Säbelzahntigeria verspiesen, holt mich die Müdigkeit ein wie ein Schnellzug eine Draisine. Paff! Ich lege mich hin, halte meine Wampe, die nun auch aufs Doppelte angewachsen schien und meine Augenlider wurden schwer wie Blei. Mit einem Lächeln im Gesicht entschwinde ich ins Land der Träume. Das Heulen, Grunzen, Hecheln und Brüllen von wilden Tiere höre ich nur noch ganz weit entfernt. Jetzt darf sie kommen, die Martullo «You’re a Dreamer!» Ja bitte! Lass mich davon träumen, dass der morgige Tag nicht wieder so an meinen Nerven zehrt, ich nicht wieder Köder spielen muss und ich das verdammte Victorinox wieder finde. Sie hatten erst die erste Hälfte des Sponsoringbetrages überwiesen, kam es mir wieder in den Sinn.

Heute war Ugo Ugo vor mir erwacht. Er hatte seinen Steinhaufen in der Steppe liegen gelassen und mit dem Holz Feuer gemacht. Ha! Er hat Fleisch beiseitegelegt für Frauchen. Bringt jetzt Beute heim und braucht den steinzeitlichen Heuchlerbesen nicht mehr mitzuschleppen. Jedenfalls ist das der Reim, den ich mir darauf mache. In der Tat läuft Ugo Ugo ohne das ganze gesammelte Zeugs los. Schnurstracks auf einen Kühlschrank zu.



Tatsächlich hatte Ugo Ugo ein grosses Stück Fleisch zur Seite gelegt für sein Steinzeitschatzi. Er hatte das Stück pflichtbewusst im Kühlschrank deponiert. Nicht um es kühl zu halten, schaut doch bitte hin und überlegt auch ein wenig mit! Das Ding ist ja gar nicht eingesteckt. Damals gab es ja noch gar keine Steckdosen! Er hat es im Kühlschrank clevererweise vor Aasgeiern oder anderem Getier geschützt.

 


Bevor wir losmarschieren, eile ich zum Skelett. Mir war in dieser Nacht Thomas Indermühle im Traum erschienen, der mir geschrieben hatte, dass ich ihm einen Zahn eines solchen Viechs mitbringen soll. Thomas, ich hab dir eines beschafft. Und sollte ich es zurückschaffen, gehört es dir!

Und so gehen wir los. Ein weiterer Tag Latschen steht auf dem Programm. Denn wir sind noch immer in der Mitte dieser elenden verfluchten Ebene, die nicht zu enden schien. Ob wir es wohl je in die Berge dahinten schaffen? Dank meinem Handbuch «Time Travelling for Dummies» wusste ich wie man in offenem Feld Distanzen abschätzen kann. Meine Berechnungen sagen mir, dass es noch etwa genau ziemlich verdammt weit weg war bis zu den Hügeln. Plus minus ein paar Hundert Meter.


Ich frage also nach, um meine Berechnungen zu plausibilisieren. Ich zeige auf die Berge und sage «Wie weit? Wie lange?». Er sagt «Ugo Ugo». Da wusste ich, ich lag falsch. Nicht mit meiner Schätzung betreffend der Distanz, sondern mit meiner Annahme das «Ugo Ugo» sein Name war. Ugo Ugo konnte alles heissen. Fuck it!


Es vergehen 3 Tage, die sich kaum unterschieden. Schlafen – Latschen – Schlafen – Latschen and repeat. Es gab wenig zu beobachten, die Landschaft blieb praktisch unverändert, die Gespräche zwischen Ugo Ugo und mir blieben gewohnt wortkarg und die Berge kamen nur in einem schier unerträglich langsamen und zermürbenden Tempo näher.


Nur einmal, am 3. Tag, die Berge waren fast in greifbarer Nähe, habe ich einen Wolf entdeckt. Nein nicht so ein steinzeitliches Riesen-Ungeheuer mit Pfoten so gross wie eine Bratpfanne. Nein, viel kleiner, aber nicht weniger mühsam. Von der verdammten Laufer- und Schwitzerei hatte ich mir einen Wolf gelaufen. Holla die Waldfee, das sind Schmerzen!


Aber wir hatten es geschafft. Wir sind am Fusse der Berge angekommen. Nur noch einmal Schlafen und dann werden wir hoffentlich bei der Sippe und Ugo Ugos’ Steinzeitschatzi angelangt sein. Das zumindest war meine Hoffnung und die, die stirbt ja bekanntlich zuletzt. Auch in der Steinzeit.


Ich schreibe in mein Tagebuch.

-          Nahrung konnte nicht aufbewahrt werden, also wurde sie gleich verspiesen. Belohnungen in die Zukunft zu schieben, war eine komplett untaugliche Eigenschaft – Instant Gratification, Present Focus Bias & Hyperbolic Discounting treiben auch heute noch unser Verhalten.

-          Nahrungsmittel beschaffen war mit viel Aufwand und Risiko verbunden, das hielt die Menschen fit und gesund – Wir bewegen uns heute nur noch einen Bruchteil von dem, was unsere Vorfahren leisten mussten, essen aber ein Vielfaches von ihnen. Das Resultat kennen wir.

-          Steppen sind heiss und trocken und Kühlschränke ohne Steckdose sind einfach ein grosses Tupperware

Morgen geht es in die Berge und ob ich dort auf seine Sippe treffe erfahrt ihr im nächsten Post. Ich bin gespannt, wie das Zusammenleben in einer solchen Gemeinschaft funktioniert. Also stay tuned.

Euer BRAIN BUSTER


 
 
 

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