top of page

Reiseblog "Unserem Verhalten auf der Spur!"

  • Autorenbild: Brain Buster
    Brain Buster
  • 10. Dez. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Teil 7: Das Säbelzahntiger-Rodeo


Wir sind seit Stunden unterwegs durch die karge Steppe. Und weil wir durch eine weite Ebene laufen, die seit Stunden unverändert aussieht und die Berge am Ende kaum näher zu kommen scheinen, habe ich den Eindruck, als würde ich auf einem Laufband gehen. Es ist zermürbend. Genau deshalb hasse ich Hometrainer und Laufbänder! Man pedalt oder läuft, ohne einen erkennbaren Fortschritt. So ein Blödsinn. Mein Rachen ist staubtrocken, meine Augenlieder kratzen bei jedem Blinzeln derart, dass Blinzeln bald schon nicht mehr möglich sein wird. Ich bereue, dass ich nicht besser trainiert habe vor meiner Reise. Ugo Ugo läuft wie ein Schweizer Uhrwerk, sagen wir wie eine Pierre Neuville*. Weder Hitze, noch Staub oder stundenlanges Gehen scheinen ihm etwas anzuhaben.


* Aktuell eine meiner Lieblingsuhrenmarke aus der Schweiz. Ehrlich! Wirklich wahr! Kein Scherz! P.S. Danke auch euch für das Product-Placement. Ohne euch … ihr wisst ja mittlerweile was jetzt käme.



Schon von weitem sehe ich eine Felsformation mitten in der Ebene. Sie verspricht Schatten. Eine Quelle vielleicht? Eine Fruchtschale für Reisende? Martullo holt mich auf den Boden der Realität zurück. «You’r a…», den Rest kennt ihr! Aber im Minimum eine Möglichkeit für eine kleine Rast? Ich hoffe Ugo Ugo hat Erbarmen mit mir und gönnt mir eine Pause. Meine Arme hängen, mein Kopf auch und ich versuche noch erschöpfter zu gehen als ich eigentlich bin. Vielleicht wirkts ja.


Aber Ugo Ugo hat kein Auge frei für meine «Brauche-eine-Rast-Showeinlage». Er fokussiert schon eine ganze Weile einen Punkt auf der Felsformation. Ob wohl dort sein Steinzeitschatzi auf ihn wartet und er sich langsam auf eine Motz-Tirade vorbereitet, weil er ohne Essen nach Hause kommt?



Ich lag erneut falsch mit meiner Vermutung. Auf dem Felsen taucht ein Säbelzahntiger auf. Auch das war mir in gewohnter Manier entgangen. Ugo Ugo hatte ihn vermutlich schon länger vermutet und der Säbelzahntiger, da war ich mir sicher, hatte uns bestimmt schon viel früher im Visier. Wir hatten Rückenwind und er muss uns, vor allem mich, denn ich schwitze seit Tagen wie ein Depp, schon lange gerochen haben.


Ugo Ugo nimmt Faustkeil und Speer in die Hand. Seine Körperspannung ist so hoch, dass er aussieht wie aus Stein gemeisselt. Die steinzeitliche Version von Michelangelo’s David quasi.


Ugo Ugo weisst mich an mich in die Schlucht zwischen den Felsen zu begeben. So nett, er nimmt mich aus der Schusslinie, scheint mich beschützen zu wollen. Doch wie sich gleich herausstellen wird, habe ich mich erneut getäuscht.



Ich stehe in der Schlucht und plötzlich springt der Säbelzahntiger keine 50 Meter vor mir vom Felsen. Mit aufgerissenem Mund und breitbeinig zum Angriff bereit steht er vor mir und brüllt «Du Opfer!». Er hat aber nicht mit meinem Victorinox gerechnet. Hastig beginne ich wie immer nach dem richtigen Tool zu suchen, während dem sich das Viech immer näher an mich ran macht. Ugo Ugo habe ich aus den Augen verloren. Mein peripherer Sehwinkel ist noch etwa 5 Grad. Tunnelblick wie letztmals als Teenager (in der Disco)! Ob sich Ugo Ugo aus dem Staub gemacht hat? Dieser Sack!


«Sack» war mein letzter Gedanke und schon lag ich im Staub, umgefallen wie ein Sack, als das Viech einen Satz genommen und mich angesprungen hat.



Ich denke an den Zapfenzieher und versuche das Getier mit der einen Hand fernzuhalten und ihm mit dem Zapfenzieher die Augen auszukratzen. Kannste vergessen! Der beisst mir eher den Arm ab, als dass ich es mit der Hand bis zu seinen Augen schaffe. Tigerspucke tropft auf mich runter. Der heisse Atem des Tieres in meiner Nase. Ich will nach Hauuuuseeeeee! Martullo ruft erneut «You’r a DREAMEEERRRRRR!»


Plötzlich taucht Ugo Ugo hinter dem Tier auf. Er hat ihm einen Speer in die Seite gerammt und sich auf ihn draufgesetzt. Noch nie hatte ich so Freude, sein kantiges Gesicht zu sehen wie jetzt. Rasch robbe ich unter dem Tier weg, ein wildes Säbelzahn-Rodeo spielt sich vor meinen Augen ab. Mein Herz schlägt mit 200, schätzungsweise, an zählen war nicht zu denken. Immer wieder schlägt Ugo Ugo auf das Tier ein. Bis es nach vielen Hieben endlich zu Boden sackt.


Ich liege im Sand wie erstarrt. Kann gar nicht glauben, was die letzten Sekunden passiert ist und realisiere erst langsam: ICH war der Köder in dieser ganzen Übung! Ugo Ugo hatte mich gezielt zwischen die Felsen platziert um leichtes Opfer zu sein für den Tiger und um ihn mit mir abzulenken. Denn Ugo Ugo waren zwei Dinge scheinbar klar sonnenklar:


1. Den Fremdling kann man nicht gebrauchen. Zum Holz sammeln nicht und zum Jagen schon gar nicht!


2. Ein wildes Tier wie den Säbelzahntiger besiegt man nur durch Ablenkung, Hinterhalt und einer schlauen Taktik.


«Nutze den Deppen als Köder und lenke das Tier mit ihm ab, damit dir ein Überraschungsangriff gelingt» war wohl der Gedankengang von Ugo Ugo. Scharf kombiniert, die Stärken und vor allem Schwächen der Gruppe clever eingesetzt, höchst effektiv und erfolgreich – ABER NICHT LUSTIG! Gar nicht lustig!


Ich schreibe in mein Tagebuch.


- Schweizer Sackmessen sind definitiv nicht steinzeit-kompatibel.


- Ugo Ugo ist ein Sack und nutzt mich als Köder!


Bereits unsere Vorfahren…


… nutzten die Stärken und Schwächen ihrer Sippenmitglieder – Arbeitsteilung & Kooperation


… dachten taktisch, kombinierten mit Vorhandenem für ideale Lösungen, passten sich den Rahmenbedingungen an - Adaptation Level Theory


… hatten die Fähigkeit das Resultat ihrer Handlungen zu antizipieren - Mental Simulation / Prospection (kognitives „Vorwegnehmen“)


… zögern nicht und sind auch in hektischen Situationen zuversichtlich ein positives Resultat zu erzielen – Confidence & Overconfidence


Ach ja und noch etwas haben wir geklärt: Warum der Säbelzahntiger ausgestorben ist. Nicht wie die Dinos einem Meteoriten zum Opfer gefallen, sondern dem Faustkeil des Neandertalers. Gerne geschehen liebe Archäologen!


Lest im nächsten Beitrag, warum ein Faustkeil für fast alles taugt – ausser für den BRAIN BUSTER.


 
 
 

Kommentare


bottom of page