Reiseblog "Unserem Verhalten auf der Spur!"
- Brain Buster

- 8. Dez. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Teil 6: Mein Name ist "Ugo Ugo"

Diese dramatischen Szenen haben sich heute abgespielt! Aber bevor ich davon erzählen werde, muss ich zuerst den Schock verdauen. Ich musste auf ziemlich eindrückliche Weise erfahren, dass der Zapfenzieher NICHT geeignet sind Augen von wilden Tieren rauszureissen.
Heute erzähle ich euch, wie die Geschichte vor dem Cola-Automaten weitergegangen ist. Ich fand es war nun Zeit mich dem Neandertaler vorzustellen und reichte ihm meine Hand. Erneut kratzt sich der Neandertaler am Kopf und ich realisiere, dass sich auch diese Gepflogenheit wohl erst später etabliert haben muss. Von Händeschütteln hatte er offenbar noch nie was gehört. Erste Beweise für dieses Ritual finden sich im alten Griechenland ca. 900 bis 500 v. Chr. Auf Reliefs und Vasenbildern sieht man Menschen, die sich die Hände reichen. Ghettofaust, denke ich mir, muss ich wohl nicht auch noch versuchen.

Also sage ich einfach meinen Namen. Der Neandertaler stutzt erneut. Solche Laute hat er vermutlich noch nie aus dem Mund von einem Menschen vernommen. Er zögert und sagt dann «Ugo Ugo» (zumindest klang es in meinen Ohren so). «Freut mich Ugo Ugo», antworte ich und nehme ganz selbstverständlich an, dass Ugo Ugo sein Name sei. Selbstverständlich ist das aber ganz und gar nicht selbstverständlich. Aber weil das Leben hier für mich schon schwierig genug ist und ich noch viele andere Fragen klären möchte, belasse ich es dabei. Der freundliche Neandertaler soll für mich und den Verlauf dieser Recherche-Reise einfach «Ugo Ugo» heissen.

Ugo Ugo lädt seinen Haufen Steine, Holz und Knochen wieder auf seinen Buckel und ich bin schon ganz gespannt, was Frauchen dazu sagen wird – denn erlegt hat er, wohl nicht zuletzt wegen dem Intermezzo mit dem Fremdling, noch immer nichts. Wir laufen los. Ugo Ugo sammelt weiterhin auf dem Weg alles ein, was er finden kann und zeigt auf einen grossen Knochen. Ob er wollte, dass ich diesen aufhebe und auch mitnehme? Ich habe es ja leider im Rücken. Und seit der Aushebung zum Militär eine offizielle Trage-Dispens, die ich in Situationen wie diesen, immer ziehe. Also winke ich freundlich ab.

Stattdessen laufe ich weiter neben ihm her mit dem Smartphone vor dem Gesicht und schreibe an meinem Reisebericht vom Vortag. Ugo Ugo schaut mich argwöhnisch an. Bei jedem Stück Holz, das am Boden liegt, macht er wieder Anstalten, ich solle das Holz aufheben. Ich tue so, als hätte ich es nicht bemerkt und tippe unentwegt auf meinem Telefon herum.

Es ist mittlerweile Mitternacht. Mein neuer Freund weckt mich. Ich war, sobald das Feuer brannte, innert Minuten eingeschlafen. Übermüdet von der letzten Nacht und mit dem Wissen, jetzt jemanden an der Seite zu haben, der mir schon die wilden Viecher vom Leib halten wird, konnte ich nicht länger gegen die Müdigkeit kämpfen. Warum weckt mich Ugo Ugo aus meinen Träumen? Er friert und mir fällt auf, dass das Feuer bereits kleiner geworden ist und kein Holz mehr vorhanden ist, um nachzulegen. Er streckt mir das letzte Stück Holz entgegen. Seine Augen sind nicht mehr so freundlich und versöhnlich. Ich denke er will, dass ich auch mal Holz nachlege, also werfe ich das Ding ins Feuer und drehe mich wieder um. Hmm? Frieren wir jetzt die ganze Nacht, weil ich nicht auch Holz gesammelt habe. Wollte er gar nicht, dass ich Holz nachlege, sondern welches suchen gehe? Mitten in der Nacht? Mitten in der Nacht! Ich muss schlafen. Ugo Ugo grummelt etwas vor sich hin und läuft weg. Ich glaube er geht Holz suchen.

Am Morgen wecken mich die ersten Sonnenstrahlen. Neben dem Feuer liegt noch ein kleiner Haufen unverbranntes Holz. Ugo Ugo war tatsächlich nochmals losgezogen, um mehr Holz zu beschaffen. Er schläft noch tief und fest und ich setze mich auf einen Stein und schaue, ob das Geld vom Cola-Automaten-Product-Placement schon eingegangen ist.

Plötzlich steht Ugo Ugo vor mir. Ich hatte ihn gar nicht bemerkt. Er streckt mir die Hand aus und hält in der anderen Hand seinen Faustkeil. Das Ding vor meinem Gesicht, weckt keine guten Erinnerungen. Er sieht genervt aus! Etwa so wie meine Frau jeweils, wenn ich die Socken nicht umgedreht habe als ich sie in die Wäsche geworfen hab. Will er mir jetzt doch noch den Faustkeil über die Rübe ziehen? Was ärgert in wohl so gewaltig?
Er zeigt auf mein Smartphone. Ich wusste ja, dass er sich für alles Unbekannt und Neue interessiert und naiverweise dachte ich, er wolle das Ding mal anschauen, mit dem ich die ganze Zeit rumhantiere. Also reiche ich ihm mein Smartphone und will ihm zeigen wie es funktioniert. Er aber nimmt es ohne anzuschauen in die Hand und läuft zu einem Stein. Er legt es hin und holt aus! «NEEEIIINNN» halt es durch die Steppe. Für ihn muss das geklungen haben, wie eine Hyäne, die sich gerade eine Glasscherbe eingefangen hat. Von unseren Cola Flaschen.

Ein klirrendes und knirschendes Geräusch später wird mir klar: Ugo Ugo wollte nicht wissen, was das Ding kann, sondern es einfach aus der Welt schaffen. Er hatte schon lange verstanden, was das Ding tut – Nämlich mich daran hindern in seiner Welt ausreichend aufmerksam zu sein und ihn beim Bewältigen unseres Alltags zu helfen. Das Ding, was immer es auch war, war im Weg und schuld daran, dass wir beide nicht wirklich in Beziehung kamen.
Meine liebe Frau kommt mir erneut in den Sinn. Sie hatte mir das auch schon genügend oft klar gemacht. Einfach ohne Faustkeil. Aber wer die Blicke von verärgerten Ehefrauen kennt, der weiss – die sind fast so schlimm wie ein Faustkeil! Ugo Ugo hat den Störfaktor kurzerhand kaputtgeschlagen. Zum Glück habe ich ein Reservetelefon mit. Genau für solche Fälle! Also, eher für die heldenhafteren Versionen davon. Beim Kampf mit wilden Tieren zum Beispiel. Das andere Smartphone halte ich ab jetzt vor Ugo Ugo versteckt. Etwa so wie zu Hause auch.
Ich nehme das zertrümmerte Smartphone zur Hand, grabe ein Loch und beerdige es an Ort und Stelle. Ugo Ugo denkt wohl, dass es sich dabei um eine Zeremonie des Fremdlings handelt, mit kaputten Dingen umzugehen. Aber ich habe einen anderen verwegenen Plan: In meinem Reisetagebuch halte ich die genauen Koordinaten des vergrabenen Smartphones fest. Denn ich werde, zurück im 2025, Samsung* kontaktieren und ihnen, gegen ein stattliches Entgelt natürlich, die Koordinaten mitteilen. Mei, wird das eine PR-Aktion, wenn Samsung verkünden kann, dass eines ihres Smartphones in der Wüste gefunden wurde und dass die Radiokarbon-Analyse ergeben hat, dass dieses aus dem Jahr 45'000 v. Chr. stammt!!! Der Indiana Jones in mir ist einem Jordan-Belfort-Typen gewichen, der von seiner Yacht aus der Steuerfahndung mit Schampus zuprostet. Genial!
* Vielen Dank an dieser Stelle für das Product-Placement. Ohne meine Sponsoren wäre diese Reise unmöglich gewesen. Danke auch für die Millionen, die ihr mir überweisen werdet, damit ich euch die Koordinaten durchgebe. Ihr seid grossartig.
Bevor wir weiter müssen, notiere ich in mein Handbuch:
«Ugo Ugo bestraft mich für unkooperatives Verhalten! Er fordert meine Beteiligung deutlich ein.»
Mir kommt das Diktator- & das Ultimatumspiel sowie die Forschungen von Ernst Fehr zu Kooperation und Fairness in den Sinn. Menschen bestrafen auch heute noch andere Menschen für unfaires Verhalten. Und Kooperation bricht zusammen, wenn «Freerider/Profiteure» nicht zum Einhalten und Beitragen zu sozialen Normen aufgefordert werden. Der Kontrollmechanismus ist also schon lange in uns veranlagt und Reziprozität war schon immer eine Grundregel sozialen Zusammenlebens. Ich muss mich am Riemen reissen und einen Beitrag leisten. Beim nächsten Mal wird wohl nicht nur mein Telefon in die Brüche gehen.
Der Tag hat erst begonnen. Ein langer Marsch steht uns bevor. So meine Befürchtung. Meine Befürchtung wird nicht enttäuscht werden. Es wird noch schlimmer! Wir treffen auf den Kollegen «Säbelzahn» und gegen den ist der Faustkeil ein harmloses Spielzeug.
Aber das erfahren wir beim nächsten Mal.
Stay tuned
Euer BRAIN BUSTER




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