Reiseblog "Unserem Verhalten auf der Spur!"
- Brain Buster

- 13. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Teil 9: Ugo Ugo's Sippe - (k)ein Haufen Wilder?
Wir haben diese gottverflixte Ebene hinter uns gelassen. Endlich. Wenigstens meine Berechnungen stimmten. Es war etwa genau ziemlich verdammt weit bis zu den Hügeln. Plus minus ein paar hundert Meter.
Nun kraxeln wir die Berghänge hoch. Also ich muss korrigieren. Ugo Ugo kraxelt, ich schleiche eher. Auch bergauf läuft er wie ein Schweizer Uhrwerk. Barfuss auf den Felsen, als wäre der Boden aus Zuckerwatte. Der muss Hornhaut haben, die mehr Horn als Haut ist! Hornhaut, das hätte ich auch gerne, weniger an den Fusssohlen, als zwischen meinen Beinen. Mein Wolf dort brennt wie Feuer. «Huu, haa, hooo, eiiii» hört man mich stöhnen. Ugo Ugo dachte zuerst ich rede mit ihm, bis er realisierte, dass dies eine Form von Schmerzbewältigung sein musste.

Untauglich für seine Welt und unfähig auf einem Felsgrat zu gehen, passiert mir ein weiterer Fehler. Ich rutsche aus und drohe abzustürzen. Ugo Ugo eilt her und rettet mich in letzter Sekunde aus meiner misslichen Lage.

Ab jetzt laufe ich hinter Ugo Ugo her. Meine Füsse setze ich dabei peinlichst genau an dieselben Stellen wie er. Mir fällt auf, dass er exakt in der Mitte des Grats läuft. Langsam fühle ich mich sicherer und merke, dass das «in der Mitte» Gehen nichts anderes ist als ein Verhaltensmuster, welches ich aus der Verhaltensökonomie kenne: «Aversion gegen Extreme» oder die «Tendenz zur Mitte» wird mir jetzt klar, dass die für Ugo Ugo lebenswichtig waren. Auch heute noch wählen Menschen gerne die Mitte. Zum Beispiel bei einer Produktauswahl oder auf einer dreispurigen Autobahn (auch oft leider diejenigen die dann nur 80 km/h fahren).
Wir haben ein Plateau erreicht. Es wird zum Glück wieder flacher und ich sehe in der Ferne eine Felswand mit grossen Löchern. Ist das eventuell vielleicht möglicherweise die Behausung der Sippe von Ugo Ugo? Stoneage-City sozusagen? Wir laufen schnurstracks auf die Felswand zu, als es über uns plötzlich zu surren beginnt. Von irgendwoher kenne ich dieses nervige Geräusch. Ich schaue in die Sonne und entdecke die Umrisse…einer….kann das sein?... Drohne! Ich traue meinen Augen nicht. Habe ja schon viel erlebt in meiner Zeit hier, aber damit habe ich nicht gerechnet. Ich erhalte ein Paket von DHL! Nein Martullo, bin kein «DREAMER»!

Ugo Ugo macht Anstalten und ein Gesicht, als würde ihm der Teufel persönlich begegnen. Da kommt mir in den Sinn, der wird ja erst in rund 45'000 Jahren erfunden. Ich geniesse den Moment, dass mal Ugo Ugo derjenige ist, der Schnappatmung bekommt und ich die Szenerie relativ gelassen beobachten und angemessen darauf reagieren kann.

Nun, ein wenig bin ich schon erschrocken. Aber wirklich nur ein wenig. So ein leichtes Zusammenzucken war da schon. Auch bei mir. Aber nur ein wirklich leichtes. Damit hab ich ja nun wirklich nicht rechnen können. Die Drohne setzt das Paket ab und düst mit einem penetranten Surren genauso schnell wieder ab wie sie gekommen ist. Hastig mache ich mich über das Paket her. Was da wohl drin sein mag? Ist es überhaupt für mich? Die Adresse: «BRAIN BUSTER», Neandertalerpfad 1, PLZ 45'000 v.Chr. stimmt jedenfalls. Plus minus etwa hundert Meter.
Ich öffne den Karton und im Innern befindet sich eine wunderschöne, schwarz lackierte und hochglanzpolierte Holzschachtel. Ich öffne vorsichtig mit meinen dreckigen Händen die Schachtel und zum Vorschein kommt eine…Uhr. Es liegt auch ein Brief dabei.

«Lieber BRAIN BUSTER, wir haben deine letzte Episode gelesen. Du hättest lieber eine Flasche Wein von deinem Sponsor bekommen als noch mehr Geld. Deshalb schicken wir dir hier eine unserer wunderschönen «Pierre Neuville». Sie kann, wie das Victorinox auch, keine Augen auskratzen, aber dir dafür ganz exakt die Zeit anzeigen, selbst wenn es mal bewölkt sein sollte. Dein Product-Placement Sponsor Pierre Neuville. Tom & Pädu"
Ich liebe die Jungs! Genial! Was für eine tolle Uhr. Ich bin überglücklich endlich wieder eine richtige Uhr tragen zu können und nicht immer die Zeit an der blöden Sonne ablesen zu müssen und mir dabei jedes Mal ein Loch in die Retina zu brennen.

Ugo Ugo schaut mich fragend an und schüttelt den Kopf. Ob er Fliegen vertreiben will mit seinem wilden Kopfschütteln oder sich einfach nur fragt, weshalb der Fremdling statt eines vernünftigen Faustkeils so ein komisches Glitzerding bekommen hat, entzieht sich meiner Kenntnis.

Jedenfalls machen wir uns jetzt los, um weiter in Richtung der Felswand zu gehen. Die Höhleneingänge werden immer deutlicher. Das MUSS «Stoneage-City» sein. Als wir vor der Felswand ankommen, verstehe ich warum Ugo Ugo so viel Zeugs eingesammelt hat. Er scheint ein prähistorisches Messie-Problem zu haben. Vor seinem Eingang stehen haufenweise Steine, Holz und Knochen. Oder er hat so oft ohne Beute zurückkommen müssen und jeweils einen Steinzeit-Blumenstrauss mitgebracht? Man weiss es nicht.
In der nächsten Episode kommen wir in «Stoneage-City» an und ich bin schon ganz gespannt auf seine Freunde und Familie. Werden die ein Haufen Wilder sein oder ein wilder Haufen? Wir werden sehen.
Bleibt dran
Euer BRIAN BUSTER




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