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WAS ICH BEI EINEM KONZERTBESUCH ÜBER MICH UND DIE HEUTIGE GESELLSCHAFT LERNEN KONNTE.

  • Autorenbild: Brain Buster
    Brain Buster
  • vor 2 Tagen
  • 7 Min. Lesezeit

INTRO

Die heutige Geschichte beginnt ganz harmlos. Fast schon trivial. 

Es stand nichts auf dem Spiel und dennoch scheinbar ganz viel.

Ein Konzertbesuch.

Aber diese Geschichte hat es dennoch faustdick hinter den Ohren!


Letzte Woche habe ich wohl insgesamt mindestens einen Tag mit der Planung eines Konzertbesuchs verbracht, Stadionplan studiert, Anfahrtszeiten evaluiert, Ansturm auf die Eingänge prognostiziert, alles verworfen und von Neuem begonnen.


Dann am Samstag, am Tag des Konzerts, mehrere Stunden in der brütenden Sonne gewartet, literweise geschwitzt, taktiert, Pinkelpausen kalkuliert, Bewegungen der Massen studiert, potenzielle Drängler observiert und mich stellenweise fast schon zum Idioten gemacht.



Das Ganze für einen Vorteil von vielleicht einem Meter.

Ich wollte auf keinen Fall etwas verpassen.

Und habe genau deshalb das Wichtigste verpasst!

Im Moment fühlte es sich an wie ein Sieg.

Heute fühlt es sich eher an wie eine Lektion.

Eine von der Sorte, die man lieber über andere lernen würde.


Das Ganze wurde am Ende zu einem eigentlichen ANTI-HACK – also dem puren Gegenteil, von dem oberflächlichen Zeugs, was all die Business & Life Coach-Gurus/Gurösen daraus gemacht hätten. Umso mehr ein Grund, diesen Artikel zu lesen. Finde ich zumindest!


Es ist ein Statement geworden, gegen den ganzen SELBSTOPTIMIERUNGSWAHN, der dir derzeit angepriesen wird wie der heilige Gral. 


Aber lies selbst!


Artikel

Bevor du den nächsten Business-Hack liest. Bevor du den nächsten Guru abonnierst. Bevor du dir die nächste Uhr kaufst, die du dir eigentlich nicht leisten kannst, um Menschen zu beeindrucken, die du eigentlich gar nicht magst. Lies das hier! 


Ich habe am Wochenende eine Erkenntnis gehabt. Und ich sage das nicht leichtfertig. Die Erkenntnis traf mich völlig unerwartet. Und sie war so gewaltig, dass ich mich moralisch verpflichtet fühle, sie mit euch zu teilen. Kostenlos. Einfach weil ich ein guter Mensch bin😉.


Diese Erkenntnis hat meine Sicht auf Erfolg, Glück, Leadership, Unternehmertum, Vertrieb, Marketing, Preisgestaltung, Resilienz, New Work, Work-Life-Balance, Purpose, Mindset, Spiritualität, Ernährung, Schlafqualität, vegane Hamburger, Quantenphysik, mittelalterliche Klosterarchitektur, die Aufzucht freilaufender Alpakas und den Paarungstanz südamerikanischer Waldschildkröten nachhaltig verändert.

Zumindest bis Ende nächster Woche, wenn sich weitere Episoden meines Alltags überstürzt haben.


VERGESST ALL DIE SELBSTOPTIMIERUNGS-HACKS! Mein voller Ernst jetzt!!


Vergesst Eisbäder. 5-Uhr-Morgenroutinen. Dankbarkeitstagebücher. Dopamin-Detox. Atemtechniken. Kältetraining. Manifestieren. Journaling. Mondphasen. Und auch die 17 Gewohnheiten erfolgreicher Milliardäre. Den ganzen anderen Bullshit!


Das hier schlägt alles. ALLLLEESS!


Und nein. Die Erkenntnis kam nicht während eines Ayahuasca-Retreats in Peru. Nicht beim Fasten mit einem tibetischen Bergmönch. Nicht beim Netzwerken mit Unicorn-Gründern auf Bali. Nicht auf einer Yacht vor Mykonos. Nicht im Privatjet nach Dubbelai. Auch nicht beim Hummer-Schlemmen auf Futschi mit einer iWC am Handgelenk, während ich mit einem ehemaligen Kinderstar, drei Investoren und einem Visionär über Purpose philosophiert habe. Obwohl das selbstverständlich auch alles regelmässig vorkommt. Ständig! Logisch!


Nein. Der Auslöser war das Konzert von den TOTEN HOSEN im Letzigrund.


Samstag 20.06.2026. 38 Grad. 45'000 Menschen, die es vermutlich gar nicht einmal bemerkt haben. Einem irrationalen Ziel. Und einem Mann, der für einen Vorteil von vielleicht einem Meter bereit war, sich komplett zum Affen zu machen. 


Was mir passiert ist, war so tiefgründig, so bewegend und so lebensverändernd, dass ich erst ernsthaft darüber nachgedacht habe, daraus ein Mentoring-Programm für CHF 7'997.– zu entwickeln. Frühbucherpreis CHF 4'997.–. Lifetime-Zugang. Exklusive Community. Limitierte Plätze. Bonusmodul "Werde die beste Version deiner selbst, ohne dich ändern zu müssen". Nur noch 3 Plätze verfügbar. Ein Wolfgang-Petry-Armband aus echtem Hochland-Yak-Leder aus den französisch-polinesischen Antillen gibt’s gratis dazu. Das Ding misst nicht nur deinen Puls, Atmung und Schlaf, sondern auch dein Ego. Der Hammer!


ABER weil ich lieber gebe als nehme und mein Herz ungefähr doppelt so gross ist wie meine Verzweiflung, teile ich die Erkenntnis lieber kostenlos mit euch und verzichte auf das ganze Ultimative-Success-Coaching-Package. Ihr müsst also für einmal nicht «Package» in den Kommentar schreiben. Falls das doch einige tun, überlege ich es mir nochmals!

Also lies weiter. Bevor die letzten 3 Plätze auch weg sind 😉


Ich find’s ja immer richtig richtig «Fan»omenal, wenn Leute so richtig krasse Stories aus ihrem Leben aufgreifen/fotografieren oder sagen wir besser, aus dem Netz zusammensuchen oder mit KI basteln, und dann irgend so eine pseudowissenschaftliche, postpupertäre, schubladenbedienende, egostreichelnde, an den Haaren herbeigezogene «Analogie» zum Business basteln und sie als grossartige Weisheit anpreisen und es dann Hack, Playbook oder Was-der-Geier nennen.


Zufälligerweise passieren jenen diese Situationen immer genau dann, wenn sie grad wieder mal an Côtelette d’Azur sind und mit Cervelat-Promis apérölen, in Dubbelai mit Lambo cruisen, grad einen Super-Dupper-Influencer-Topshot treffen an einer Konwentschen in Las Veganos, im Laucala Island Resort (auf Futschi) Hummer schlemmen mit iWC am Handgelenk oder im Privatjet nach iPizza fliegen.

-          jede Urlaubsszene mit Buch auf dem Schoss wird zur Leadership-Lektion

-          jede zufällige Begegnung mit einem Dahergelatschten wird zur Business-Weisheit

-          jeder abgerissene Schnürsenkel wird zum ultimativen Life Hack

-          jedes noch so bescheuerte Missgeschick wird zum universellen Erfolgsprinzip

-          jede Darmepidemie auf der Nilfahrt aufgelesen wird zum geistigen Erguss


Da lernt man Dinge, das glaubst du nicht! Über das Business, es ist der Hammer! Darüber wie man Umsätze macht, der blanke Wahnsinn! Darüber wie man Kunden gewinnt, dass es nur so scheppert! Ich weiss gar nicht wo anfangen. So viele gute Tipps kriege ich hier täglich. Vielleicht hab’ ich ob der schieren Auswahl kapituliert und nur deshalb noch nichts, aber auch gar nichts, davon je ausprobiert. Wer weiss (*Schulterzuck*).


So! Jetzt aber ernst! Worum es hier wirklich geht: Auch ich habe was erlebt und will das unbedingt teilen. Und das Tollste daran: Auch mir ist es gelungen Hack daraus zu basteln – aber ein ganz anderer als du denkst!!!


Aufpassen jetzt. Hier die Background-Story:


Es ist Samstag der 20.06.2026, Abschiedstour von DIE TOTEN HOSEN im Letzigrund. Die Band, welche mich seit 40 Jahren begleitet hat und ich wohl zum letzten Mal live sehen werde. 38 Grad. Keine einzige Wolke. Kein Windlein aber dafür reichlich Arschwasser. Schwächelnde und glühende Fusssohlen, angereist bereits 6h vor Beginn, ein hundskommunes Stehticket in der Hand. So stehe ich da, 5 Minuten bevor die Show beginnt und will mich kurz umdrehen. Und dann sehe ich es. Klar vor meinen eigenen Augen. Es durchfährt mich wie ein Biltz. Ich kann es kaum glauben! Bin sprachlos. Kann das sein? 


Hinter mir stehen 45'000 Leute! Also eigentlich ALLE anderen die hier sind!!! LOOOOSSERRR! 


Denn ich stehe mit meinen Freunden direkt am vordersten Gitter, keine 4 m von Campino entfernt. Weil HOSEN aus der zweiten Reihe in etwa ist, wie TV schauen mit Augenbinde, wie Hühneraugen ohne Bimsstein, wie China Food ohne Glückskeks, wie Hummer schlabbern ohne iWC am Arm, wie Lambo fahren ohne Benzin – Ihr habt’s verstanden.


Und wer jetzt einen Helden-Story-Mega-Success-Selbstoptimierungs-Hack erwartet, wie sie meine unzähligen "Vorbilder" verfassen würden, denjenigen/diejenige muss ich leider enttäuschen. Denn meine Erkenntnis und der daraus resultierende Hack zahlen in keinster Weise in mein Ego ein. Leider! Und dennoch ist es wohl der einzige wahre SELBSTOPTIMIERUNGS-HACK, den du je gelesen hast.


Ich stehe also hier in der 1. Reihe. Der Unterschied zwischen mir in der 1. und allen anderen in der 2. Reihe war am Ende ein paar Meter. Bei dem Gedränge hier vorne vielleicht sogar nicht mal ein Meter, to be honest.


Der Preis dafür? Mehrere Stunden warten, mind. 1 Liter Schweiss vergossen schon vor dem Konzert, ständige Gedanken an das Erreichen der 1. Reihe, verbissene Fokussierung und Konzentration, Beobachtung der Bewegungen der Massen, böse Blicke an verdächtige Drängler, Aushecken von ausgeklügelten Pinkelstrategien (in meinem Alter essenziell). Und: Vielleicht zu wenig Vorfreude?


Daneben: Alle anderen! Die tranken einfach Bier und haben mit ihren Freunden gefeiert. Komplett relaxed. Komplett entstresst. Nicht, dass ich kein Bier gehabt hätte oder keine Freunde um mich. Aber meine Anspannung und Konzentration war allgegenwärtig und hat sich erst gelöst, als ich dort war. In der verdammten 1. Reihe.


Einen (ehrlicherweise ziemlich langen) Moment lang fühlte sich das an wie ein verdammt grosser Sieg. Bis mir am nächsten Morgen (eigentlich war es bereits Mittag, aber Morgen klingt seriöser) etwas klar wurde: Die 45'000 Menschen hinter mir hörten dieselben Songs. Sie sahen dieselbe Show. Sie lachten an denselben Stellen. Sie grölten dieselben Refrains. Sie gingen mit denselben Erinnerungen nach Hause. Und sie haben Zeit mit ihren besten Freunden verbracht. Und obschon ich in der 1. Reihe war, beschlich mich das Gefühl, dass Ihr Erlebnis nicht schlechter war als meines. Vielleicht sogar besser?


Ich realisierte, dass nicht das Vorne-Stehen per se den Reiz ausmachte. Interessant war zu beobachten, was Menschen (darunter auch ich) bereit waren zu investieren, um aus ein paar Metern Distanz einen gewaltigen psychologischen Unterschied zu machen. 


Es war ernüchternd festzustellen, dass es uns nicht einfach glücklich macht, dass Campino nur vier Meter entfernt ist, sondern es uns (darunter auch mich) vor allem glücklich machte, dass ALLE ANDEREN hinter einem stehen. I confess! 


Der objektive Unterschied zwischen mir und den anderen, betrug maximal eine Stadionlänge. Der psychologische Unterschied? Offenbar gigantisch!


Und genau hier beginnt der eigentliche HACK. Bist du noch da? Abgehängt? Abgelenkt? Eine Notification erhalten? Im Doomscrolling-Feed ersoffen? Nicht??? Na dann.


Mein HACK dreht sich nicht um Konzerte. Nicht um Business. Sondern um uns Menschen und das Leben, welches wir heute führen und diesem unglaublichen SELBSTOPTIMIERUNGSWAHNSINN in dem wir uns bewegen.


Wir verbringen einen erstaunlich grossen Teil unseres Lebens damit, in die 1. Reihe zu kommen (darunter auch ich). Mehr Geld. Mehr Status. Mehr Titel. Mehr Reichweite. Mehr Sichtbarkeit. Mehr Anerkennung. Mehr Meer. Mehr von allem. Und sobald wir dort sind, drehen wir uns um und vergleichen uns selbstgefällig mit denen, die wir hinter uns gelassen haben.


Aber dann, kurz danach. Nur ein Wimperschlag oder zwei später. Das Fieber ist schon fast abgeklungen. Dann schauen wir nach allen Seiten und sehen, dass vor uns schon wieder so ein Depp steht. Fuck. Mit mehr Geld. Mehr Status. Mehr Titel. Mehr Reichweite. Mehr Meer. Und mehr Anerkennung. Dieses verdammte Spiel endet nie! Wir wissen das zwar eigentlich, sind aber nicht in der Lage es wirklich zu kapieren. Leider.


Jetzt im Nachgang zu diesem Abend liegt sie wieder vor mir: DIE Mutter aller Erkenntnisse. Glasklar und ohne Beschönigung:


Status ist kein Ziel.

Status ist ein permanenter Vergleich.

Und Vergleiche sind wie Salzwasser.

Je mehr du davon trinkst, umso durstiger wirst du.


Vielleicht war das Wertvollste an diesem Abend deshalb gar nicht die 1. Reihe. Vielleicht war meine wertvollste Erkenntnis diejenige, dass 45'000 Menschen dieselbe Show erleben konnten, ohne einen einzigen verdammten Gedanken daran zu verschwenden, in welcher Reihe sie stehen. Hauptsache sie waren mit ihren Freunden da und haben Erlebnisse gesammelt für ihr Erinnerungsalbum. Wer ist jetzt der Loser!? 


Vielleicht war das Wertvollste einfach mit Freunden einen unbeschwerten Abend zu erleben und die letzten 40 Jahre HOSEN-Erinnerungen Revue passieren zu lassen. Und dafür war der Abend wohl zu wenig unbeschwert, wegen der permanenten Jagd nach der verdammten 1. Reihe!


Ein gutes Leben besteht vermutlich nicht darin, ständig nach vorne zu drängen, sich selbst permanent zu optimieren, sondern es mit den richtigen Menschen zu teilen und das Leben nach den eigenen Wünschen und nicht nach Vorstellungen anderer zu gestalten. Immerhin habe ich den Abend mit meinen besten Freunden verbracht. Dafür bin ich dankbar.


Meine eigene Show läuft bereits seit einigen Jahren. 50 Jahre, um genau zu sein. Die Show nennt sich "Leben". Ich hoffe ich finde mehr Gelassenheit statt noch mehr Verbissenheit und kann es immer öfter auch aus der 2., 3., 4. oder X. Reihe geniessen.


Denn die eigentliche Frage ist gar nicht, ob wir es in die 1. Reihe schaffen, sondern dass wir nicht vergessen, weshalb wir überhaupt zum Konzert gegangen sind.


Euer BRAIN BUSTER


 
 
 

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